Facharztpraxis Kröger
Depression1. Januar 20267 Minuten Lesezeit

Depression bei Jugendlichen: Erkennen, verstehen, helfen

Wie sich Depressionen im Jugendalter zeigen – und warum sie oft übersehen werden

WK
Wolfram Kröger
Kinder- und Jugendpsychiater

"Das ist doch nur Pubertät." Dieser Satz ist gut gemeint – aber er kann gefährlich sein. Denn Depressionen bei Jugendlichen werden häufig als normale Pubertätsstimmung abgetan, bis die Situation eskaliert. Dabei ist die Depression eine der häufigsten psychischen Erkrankungen im Jugendalter.

Wie äußert sich Depression bei Jugendlichen?

Depressionen bei Jugendlichen unterscheiden sich oft deutlich von dem, was wir aus der Erwachsenenpsychiatrie kennen. Das klassische Bild – Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit – ist bei Jugendlichen zwar vorhanden, aber häufig überlagert von anderen Symptomen.

  • Reizbarkeit und Aggressivität: Statt Traurigkeit zeigen viele depressive Jugendliche vor allem Gereiztheit und Wutausbrüche
  • Rückzug: Sozialer Rückzug von Freunden, Familie, Hobbys
  • Leistungsabfall: Nachlassende schulische Leistungen ohne erkennbaren Grund
  • Körperliche Beschwerden: Schlafstörungen, Appetitveränderungen, chronische Erschöpfung
  • Risikoverhalten: Alkohol, Drogen, riskantes Verhalten als Versuch, die innere Leere zu füllen
  • Selbstverletzung: Als Versuch, emotionalen Schmerz durch körperlichen Schmerz zu regulieren

„Ein Jugendlicher, der sich ständig zurückzieht, gereizt ist und kein Interesse mehr an früher geliebten Aktivitäten zeigt, sendet ein Signal. Dieses Signal verdient Aufmerksamkeit – nicht Ungeduld."

Wann ist es mehr als Pubertät?

Pubertät bringt Stimmungsschwankungen mit sich – das ist normal. Der Unterschied zur Depression liegt in Intensität, Dauer und Funktionseinschränkung.

  • Dauer: Anhaltende depressive Stimmung über mehr als zwei Wochen
  • Intensität: Die Stimmung ist durchgehend gedrückt, nicht nur gelegentlich
  • Funktionseinschränkung: Schule, Freundschaften, Alltag sind deutlich beeinträchtigt
  • Hoffnungslosigkeit: Aussagen wie "Es wird nie besser" oder "Ich bin wertlos"
  • Suizidgedanken: Jeder Hinweis auf Suizidgedanken muss ernst genommen werden

Bei Hinweisen auf Suizidgedanken: Sprechen Sie Ihr Kind direkt an. Die Frage "Denkst du manchmal daran, dir etwas anzutun?" erhöht das Suizidrisiko nicht – sie kann Leben retten. Bei akuter Gefahr: Notruf 112 oder psychiatrische Notaufnahme.

Was können Eltern tun?

  • Zuhören ohne zu bewerten: Jugendliche brauchen das Gefühl, gehört zu werden – nicht sofort Ratschläge
  • Präsenz zeigen: Auch wenn der Jugendliche sich zurückzieht – signalisieren Sie, dass Sie da sind
  • Fachärztliche Hilfe suchen: Bei anhaltenden Symptomen ist eine psychiatrische Abklärung dringend empfohlen
  • Sich selbst Unterstützung holen: Eltern eines depressiven Kindes brauchen ebenfalls Unterstützung

Depression ist behandelbar. Mit der richtigen Unterstützung – Psychotherapie, ggf. Medikamente, familiäre Begleitung – können die meisten Jugendlichen wieder ein erfülltes Leben führen. Der erste Schritt ist, das Problem zu erkennen und ernst zu nehmen.

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