Facharztpraxis Kröger
Versorgung15. Februar 20266 Minuten Lesezeit

18 Monate Wartezeit: Warum das System Familien im Stich lässt

Und was Eltern tun können, wenn die Warteliste zu lang ist

WK
Wolfram Kröger
Kinder- und Jugendpsychiater

12 bis 18 Monate – so lange warten Familien in Deutschland durchschnittlich auf einen Termin beim Kinder- und Jugendpsychiater. In manchen Regionen sind es sogar zwei Jahre. Für ein Kind, das jetzt Hilfe braucht, ist das eine Ewigkeit.

Warum ist die Versorgungslage so angespannt?

Die Gründe sind vielschichtig. Einerseits ist die Zahl der niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiater in Deutschland im Verhältnis zur Bevölkerung deutlich zu niedrig. Andererseits ist die Nachfrage in den letzten Jahren stark gestiegen – nicht zuletzt durch die Folgen der Corona-Pandemie, die bei vielen Kindern und Jugendlichen psychische Belastungen hinterlassen hat.

  • Zu wenige Fachärzte: Auf einen Kinder- und Jugendpsychiater kommen in Deutschland durchschnittlich über 5.000 Kinder und Jugendliche.
  • Steigende Nachfrage: Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu – besonders AD(H)S und Depressionen.
  • Bürokratie: Kassenzulassungen, Budgetgrenzen und Abrechnungsregeln schränken die Kapazitäten ein.
  • Fehlende Vernetzung: Zwischen Kinderärzten, Schulen, Jugendhilfe und Psychiatrie fehlt oft eine koordinierte Zusammenarbeit.

„Ein Kind, das heute Hilfe braucht, kann nicht 18 Monate warten. Psychische Erkrankungen verschlechtern sich ohne Behandlung – und die Folgen können ein Leben lang spürbar sein."

Was können Eltern tun?

Wenn die Warteliste zu lang ist, gibt es einige Möglichkeiten, die Wartezeit zu überbrücken oder zu verkürzen.

  • Kinderarzt einbeziehen: Der Kinderarzt kann erste Einschätzungen geben und bei dringenden Fällen eine Überweisung mit Dringlichkeitsvermerk ausstellen.
  • Mehrere Praxen gleichzeitig kontaktieren: Auf mehreren Wartelisten gleichzeitig stehen erhöht die Chance auf einen früheren Termin.
  • Kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanzen: Kliniken mit psychiatrischen Ambulanzen sind oft schneller erreichbar als niedergelassene Praxen.
  • Privatärztliche Behandlung: Als Selbstzahler sind Wartezeiten von wenigen Wochen realistisch. Die Kosten werden von privaten Krankenversicherungen und Beihilfe erstattet; gesetzlich Versicherte können die Behandlung selbst bezahlen.
  • Online-Ressourcen und Selbsthilfe: Während der Wartezeit können Eltern und Kinder von seriösen Informationsquellen und Selbsthilfegruppen profitieren.

Bei akuten Krisen – wenn ein Kind sich selbst gefährdet oder eine schwere psychische Erkrankung vorliegt – wenden Sie sich sofort an die psychiatrische Notaufnahme der nächsten Klinik oder rufen Sie den Notruf 112 an.

Privatärztliche Behandlung: Eine realistische Option

Viele Eltern scheuen den Gedanken an eine privatärztliche Behandlung – aus Kostengründen oder weil sie das Gefühl haben, das sei nur für Wohlhabende. Dabei ist die Realität differenzierter: Private Krankenversicherungen und Beihilfe erstatten die Kosten in der Regel vollständig. Und auch für gesetzlich Versicherte kann eine Selbstzahler-Behandlung eine sinnvolle Investition sein – besonders wenn die Wartezeit zu lang ist und das Kind jetzt Hilfe braucht.

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